Free Cashflow to the Firm (FCFF)

1. Grundlagen

Der Free CashFlow to the Firm beschreibt den Cashflow, der allen Kapitalgebern (sowohl Eigenkapital- als auch Fremdkapitalgebern) in Summe zur Verfügung steht. Das heißt, der FCFF kann sowohl für Aktienrückkäufe oder Ausschüttung von Dividenden an die Eigenkapitalgeber (Aktionäre) als auch zur Tilgung von Schulden und Zinsen genutzt werden. In einer DCF-Analyse wird der FCFF verwendet, um den gesamten Unternehmenswert (Enterprise Value) einer Firma zu bestimmen. Er wird mit den gewichteten Kapitalkosten (WACC) abgezinst.

✅ Key Takeaways - FCFF

  • Cashflow, der sowohl Eigen- als auch Fremdkapitalgebern zuzurechnen ist
  • Bestimmt den Unternehmenswert/Enterprise Value
  • Wird mit dem WACC abgezinst

2. Berechnung

Der FCFF wird typischerweise entweder über den operativen Gewinn bzw. EBIT bestimmt oder anhand des operativen Cashflows. Grundsätzlich sind beide Rechenmethoden zulässig und äquivalent. Welche Methode in einem spezifischen Anwendungsfall verwendet werden sollte, hängt von der Verfügbarkeit der zugrundeliegenden Daten und der Frage, welche Inputparameter einfacher zu modellieren sind, ab.

2.1. Auf Basis des EBIT/Operativen Gewinns

$$\mathrm{FCFF} = \mathrm{EBIT} \times (1-T) + \mathrm{D \& A} - \mathrm{CAPEX} - \Delta\mathrm{NWC}$$ mit

$T:$ (Effektive) Steuerquote
$\Delta\mathrm{NWC}:$ Veränderung des operativen Net Working Capital (non-cash Working Capital)
$\mathrm{D \& A}:$ Abschreibungen auf materielle und immaterielle Vermögensgüter
$\mathrm{CAPEX}:$ Capital Expenditure (Investitionsaufwand)

Verkürzt lässt sich dies zusammenfassen als $$\mathrm{FCFF} = \mathrm{EBIT} \times (1-T) - \mathrm{Reinvestment}$$ wobei $$\mathrm{Reinvestment} = \mathrm{CAPEX} + \Delta\mathrm{NWC} - \mathrm{D\&A}$$ den Nettoreinvestitionsbedarf darstellt.

2.2. Auf Basis des operativen Cashflows

Alternativ lässt sich der FCFF auch auf Basis des operativen Cashflows bestimmen. Dies ist zum Beispiel dann hilfreich, wenn ein Unternehmen signifikante nicht-operative Gewinne (z.B. Vermögensaufwertungen) in sein EBIT oder den operativen Gewinn verbucht. Dies kann z.B. bei Immobilienunternehmen der Fall sein. Auf Basis des operativen Cashflows berechnet sich der FCFF als $$\mathrm{FCFF} = \mathrm{Cash From Operations} + \mathrm{InterestExpense} \times (1-T) - \mathrm{CAPEX}$$ Dabei setzen wir voraus, dass Zinszahlungen in dem im Cashflow Statement angegebenen operativen Cashflow schon enthalten sind. Dies kann je nach zugrunde liegenden Rechnungslegungsvorschriften unterschiedlich sein.

3. FCFF vs. FCFE vs. FCF

Wir unterscheiden im Allgemeinen drei verschiedene Free Cashflow Definitionen, die sich in ihren jeweiligen Berechnungsgrundlagen und Anwendungsfällen unterscheiden:

3.1. FCFF

Wie in diesem Artikel beschrieben, stellt der FCFF $$\mathrm{FCFF} = \mathrm{Cash From Operations} + \mathrm{InterestExpense}\times(1-T) - \mathrm{CAPEX}$$ den Cashflow, der allen Kapitalgebern in Summe zugeschrieben wird, dar. Das heißt, der FCFF kann zur Zahlung an Fremdkapitalgeber in Form von z.B. Zinsen und Tilgung genutzt werden sowie an Eigenkapitalgeber in Form von Dividenden und Aktienrückkäufen. Der FCFF wird in der DCF-Analyse zur Berechnung des Unternehmenswerts (Enterprise Value) genutzt und mit dem WACC abgezinst.

3.2. FCFE

Der Free Cashflow to Equity (FCFE) beschreibt den Cashflow, der alleine den Eigenkapitalgebern eines Unternehmens zugerechnet werden kann. $$\mathrm{FCFE} = \mathrm{Cash From Operations} - \mathrm{CAPEX} + \Delta\mathrm{Debt}$$ $\Delta\mathrm{Debt}:$ Nettokreditaufnahme (Schuldenneuaufnahme abzüglich Tilgungen)

Der FCFE berücksichtigt also Zinsen, Reinvestitionen sowie die Nettokreditaufnahme beziehungsweise Nettotilgung. FCFE beschreibt damit den Cashflow, der frei zur Auszahlung in Form von Dividenden oder Aktienrückkäufen zur Verfügung steht. Der FCFE wird in der DCF-Analyse zur Berechnung des Werts des Eigenkapitals genutzt und mit den Eigenkapitalkosten (Cost of Equity) abgezinst.

3.3. FCF

Der Free Cashflow (FCF) ist grundsätzlich keine standardisierte Kennzahl, wird aber meist als die Differenz aus dem operativen Cashflow und dem CAPEX definiert: $$\mathrm{FCF} = \mathrm{Cash From Operations} - \mathrm{CAPEX}$$ Der FCF beschreibt den Cashflow, der einem Unternehmen zur (freiwilligen oder verpflichtenden) Rückzahlung von Schulden oder zur Ausschüttung an seine Eigenkapitalgeber zur Verfügung steht. Im Gegensatz zum FCFF wird der FCF nach Zahlung von Zinskosten betrachtet, allerdings ebenso wie der FCFF vor jeglichen Tilgungszahlungen. Der FCF ist eine nützliche Kennzahl, um die wirtschaftliche Stabilität eines Unternehmens einzuordnen, kann für sich genommen allerdings nicht zur Berechnung des Unternehmenswerts oder Eigenkapitalwerts eines Unternehmens anhand einer DCF-Analyse verwendet werden.

3.4. Vergleich

Unter den oben getroffenen Annahmen zur Klassifizierung von Zinszahlungen im operativen Cashflow und der in 3.3 verwendeten Definition des FCF lassen sich die verschiedenen Cashflows direkt ineinander umrechnen via $$\mathrm{FCFF} = \mathrm{FCF} + \mathrm{InterestExpense}\times(1-T)$$ $$\mathrm{FCFE} = \mathrm{FCF} + \Delta\mathrm{Debt}$$