Cost of Debt - Fremdkapitalkosten
1. Überblick
Die Fremdkapitalkosten (Cost of Debt/COD) beschreiben die risikogewichteten Opportunitätskosten für zinstragende Fremdkapitalfinanzierung (Schulden). Sie entsprechen damit dem Zinssatz zu dem z.B. ein Unternehmen heute neue Schulden aufnehmen kann. Anders gesagt beschreiben die Fremdkapitalkosten die Rendite/Zinsen, die Investoren für das Verleihen von Geld an z.B. ein Unternehmen für das damit verbundene Risiko verlangen. In der Unternehmensanalyse sind die Fremdkapitalkosten ein fundamentaler Bestandteil der Berechnung der Opportunitätskosten einer Firma über die gewichteten Kapitalkosten (WACC).
✅ Key Takeaways - Cost of Debt - Fremdkapitalkosten
- Zinssatz zu dem ein Unternehmen neue Schulden aufnehmen kann
- Berechnungsgrundlage für die Opportunitätskosten eines Unternehmens (WACC)
2. Bestimmungs- und Berechnungsmethoden
Direkte Bestimmung
Falls ein Unternehmen liquide am Markt gehandelte Anleihen ausgegeben hat, können die Fremdkapitalkosten
einfach anhand der Rendite bis zur Fälligkeit (Yield to Maturity)
der am Markt gehandelten Anleihen mit langer Laufzeit direkt bestimmt werden.
Caveat: Bei Anleihen mit signifikantem Ausfallrisiko sind die erwarteten Cash Flows (aus Zinsen und Rückzahlung)
niedriger als die tatsächlich vertraglich festgelegten Verpflichtungen. D.h. Investoren gehen davon aus, dass die Anleihe
mit einer signifikant hohen Wahrscheinlichkeit nicht vollständig zurückgezahlt wird. In einem solchen Fall, sind
die tatsächlichen Fremdkapitalkosten potentiell deutlich geringer als die vertragliche Rendite zur Fälligkeit
vermuten lässt.
Indirekte Berechnung/Abschätzung
In der Praxis ist es oft, insbesondere für Privatanleger, nicht möglich oder sehr aufwändig, liquide am Markt gehandelte Anleihen für jeden betrachteten Fall zu finden. Dies kann entweder daran liegen, dass das betrachtete Unternehmen keine frei gehandelten Anleihen besitzt, oder diese zu selten gehandelt werden, um ein aktuelles Bild der Fremdkapitalkosten zu bekommen. In einem solchen Fall können die Fremdkapitalkosten näherungsweise berechnet werden.
Stabile Märkte
Die Berechnungsgrundlage für die Fremdkapitalkosten bildet der risikolose Zins (riskfree Rate),
d.h., der Zins, den ein "risikoloses" Investment,
ein Investment ohne Ausfallrisiko, einbringt. Die Fremdkapitalkosten eines Unternehmens ergeben sich dann
aus der Summe des risikolosen Zinses und eines Risikoaufschlags, der das Kreditausfallrisiko des Unternehmens
räpresentiert (Default Spread).
$$\mathrm{CostOfDebt} = \mathrm{RiskfreeRate} + \mathrm{CompanyDefaultSpread}$$
wobei
$\mathrm{RiskfreeRate}:$ Risikoloser Zins
$\mathrm{DefaultSpread}:$ Kreditaufschlag für nicht zu vernachlässigendes Kreditausfallrisiko
In stabilen Märkten/Ländern mit hoher finanzieller und politischer Stabilität und monetärer Souveränität
können typischerweise Staatsanleihen in der jeweiligen staatlichen Währung als nahezu risikolos (mit vernachlässigbarem Ausfallrisiko)
betrachtet werden.
Der Default Spread/Kreditauschlag für das Kreditausfallrisiko eines Unternehmens kann für die meisten
großen und an Aktienmärkten gehandelten Unternehmen anhand des von Rating Agenturen vergebenen Kredit
Ratings abgeschätzt werden. Ist dieses nicht verfügbar, so lässt sich oft ein künstliches (synthetisches)
Kredit Rating anhand der Zinsdeckungsrate bestimmen.
Emerging Markets
Für Unternehmen, die in Ländern agieren, in denen kein risikoloses Investment existiert, in dem z.B. der jeweilige Staat ein reales Kreditausfallrisiko trägt, ist die obige Berechnungsmethode der Fremdkapitalkosten problematischer bzw. weniger eindeutig. Ein konservativer Ansatz besteht darin anzunehmen, dass ein Unternehmen, welches in einem Land mit realem Kreditausfallrisiko agiert, von einem Kreditausfall des Landes ebenfalls betroffen wäre. D.h. wir nehmen an, dass ein Unternehmen immer risikoreicher ist, als der Staat in dem es agiert. In diesem Fall lassen sich die Fremdkapitalkosten eines Unternehmens in einem Emering Market als Summe des hypothetischen risikolosen Zinses, des Kreditausfallrisikoaufschlags des Landes und des Kreditausfallrisikoaufschlags des Unternehmens schreiben: $$\mathrm{CostOfDebt} = \mathrm{RiskfreeRate} + \mathrm{CountryDefaultSpread} + \mathrm{CompanyDefaultSpread}$$ Caveat: Grundsätzlich kann diese Methode dazu führen, dass die tatsächlichen Fremdkapitalkosten von international agierenden Konzernen, die ihren Sitz in risikoreichen Ländern haben, faktisch überschätzt wird, da ihr tatsächliches Ausfallrisiko niedriger sein kann als das des Heimatlandes. Als konservativer Ansatz vermeidet diese Methode allerdings eine Unterschätzung der tatsächlichen Fremdkapitalkosten.
✅ Key Takeaways - Cost of Debt - Berechnung
- Direkte Bestimmung via gehandelter Anleihen am Bondmarkt
- Indirekte Berechnung via risikolosem Zins und Kreditausfallrisikoaufschlag
3. Steuereffekte - Pre-Tax vs After Tax Cost of Debt
Zinszahlungen aus Schuldverhältnissen sind typischerweise auf die Steuer anrechenbar. Sie senken
also die Steuerlast eines Unternehmens. Dieser steuersenkende Effekt wird auch als Tax-Shield bezeichnet.
Bei der Berechnung der effektiven nach-Steuer Fremdkapitalkosten (After Tax Cost of Debt) muss dieser
kostensenkende Effekt demnach beachtet werden.
$$\mathrm{AfterTaxCostOfDebt} = \mathrm{CostOfDebt}\times(1-T)$$
wobei
$\mathrm{AfterTaxCostOfDebt}:$ Nach-Steuer Fremdkapitalkosten
$\mathrm{CostOfDebt}:$ Vor-Steuer Fremdkapitalkosten
$T:$ Grenzsteuersatz
Caveat: Die Senkung der effektiven Nach-Steuer Fremdkapitalkosten ist nur dann realisiert,
wenn ein Unternehmen tatsächlich ein positives zu versteuerndes Einkommen hat.
✅ Key Takeaways - After-Tax Cost of Debt
- Zinskosten senken die Steuerlast
- Die effektiven Nach-Steuer Fremdkapitalkosten verringern sich um den Grenzsteuersatz