Cost of Equity - Eigenkapitalkosten
1. Überblick
Die Eigenkapitalkosten (Cost of Equity/COE) beschreiben die risikogewichteten Opportunitätskosten
für Eigenkapitalfinanzierung. Sie entspricht damit der Renditeerwartung von Eigenkapitalanlegern,
also zum Beispiel der Renditeerwartung von Investoren am Aktienmarkt.
In der Unternehmensanalyse werden die Eigenkapitalkosten genutzt um Cash Flows an Eigenkapitalgeber abzuzinsen.
Sie definieren also den Diskontierungssatz (Discount Rate) in einer
Discounted Cash Flow Analyse (DCF-Analyse) anhand des
Free Cash Flow to Equity (FCFE) sowie im
Dividend Discount Model (DDM).
2. Berechnungsmethoden und Risikomodelle
Es gibt verschiedenste Modelle zur Bestimmung der korrekten Eigenkapitalkosten. Beispiele beinhalten
das Capital Asset Pricing Model (CAPM), das Arbitrage Pricing Model (APM) sowie
Multi-Faktor Modellen wie das Fama-French-Dreifaktorenmodell.
In Multi-Faktor Modellen sowie dem APM lassen sich die Eigenkapitalkosten, also die zu erwartende Rendite eines Investments,
schreiben als
$$\mathrm{ExpectedReturn} = \mathrm{RiskfreeRate} + \sum_i \beta_i\times\mathrm{RiskPremium}_i$$
wobei
$\beta_i:$ Risikogewichtung des Investments relativ zu einem Risikofaktor $i$
$\mathrm{RiskPremium}_i:$ Risikoprämie für einen Risikofaktor $i$
$\mathrm{RiskfreeRate}:$ Risikoloser Zins
Die korrekte Berechnung der Eigenkapitalkosten ist also modellabhängig. Je nach gewähltem Risikomodell müssen
dabei unterschiedliche Risikoparameter ($\beta$) und Risikoprämien bestimmt werden.
✅ Key Takeaways - Berechnung - Risikomodelle
- Die Berechnung der Eigenkapitalkosten hängt vom betrachteten Risikomodell ab
- Typischerweise beinhaltet die Berechnung einen risikolosen Zins sowie verschiedene Risikoprämien und Faktoren
3. Cost of Equity im CAPM
Das klassische Risikomodell zur Berechnung der Eigenkapitalkosten ist das
Capital Asset Pricing Model (CAPM).
Unter der Annahme, dass alle unternehmensspezifischen Risiken durch Diversifizierung vermieden werden können,
stellt im CAPM das Marktrisiko die einzige valide Risikoprämie dar. Damit vereinfacht sich die Berechnung der Eigenkapitalkosten,
da nur ein einziger Risikofaktor bestimmt werden muss. Im CAPM setzen sich die Eigenkapitalkosten zusammen aus dem
risikolosen Zins und der risikogewichteten
Eigenkapitalprämie (Equity Risk Premium/ERP), wobei das
Beta die Investment-spezifische Risikogewichtung beschreibt:
$$\mathrm{CostOfEquity} = \beta \times \mathrm{EquityRiskPremium} + \mathrm{RiskfreeRate}$$
wobei
$\mathrm{CostOfEquity}:$ Eigenkapitalprämie (Cost of Equity/COE)
$\beta:$ Risikogewichtung (systematisches Risiko relativ zum Markt)
$\mathrm{RiskfreeRate}:$ Risikoloser Zins
Stabile Märkte
Für Unternehmen, die in stabilen Märkten (Mature Markets) agieren, entspricht die Equity Risk Premium der allgemeinen erwarteten Rendite des Aktienmarkts (Mature Market Premium). Diese wird mit dem unternehmensspezifischen $\beta$ gewichtet, welches die Sensitivität des betrachteten Unternehmens gegenüber Marktrisiken quantifiziert, und zum risikolosen Zins addiert, um so die Eigenkapitalkosten zu berechnen: $$\mathrm{CostOfEquity} = \beta \times \mathrm{MatureMarketPremium} + \mathrm{RiskfreeRate}$$
Emerging Markets
Unternehmen, die in Emerging Markets mit nicht zu vernachlässigenden politischen und wirtschaftlichen Risiken sowie potentiellen Kreditausfallrisiken des Staates agieren, tragen zusätzliche länderspezifische Risiken. Diese länderspezifischen Risiken heben die geforderte Renditeerwartung von Investoren. Wir bezeichnen diese zusätzliche Risikoprämie als Länderrisikoprämie (Country Risk Premium). Unter der Annahme, dass diese länderspezifischen Risiken des Unternehmens mit dem gleichen $\beta$ skalieren können wir die Eigenkapitalkosten schreiben als: $$\mathrm{CostOfEquity} = \beta \times (\mathrm{MatureMarketPremium} + \mathrm{CountryRiskPremium}) + \mathrm{RiskfreeRate}$$ Die Country Risk Premium ist stark verwandt mit dem Kreditausfallrisiko (Default Spread) des jeweiligen Landes.
✅ Key Takeaways - Berechnung im CAPM
Im CAPM bestimmen sich die Eigenkapitalkosten aus- Der allgemeinen Marktprämie (Mature Market Premium)
- Dem risikolosen Zins (Riskfree Rate)
- Dem Marktrisikofaktor ($\beta$)
- Einer potentiellen Länderrisikoprämie (Country Risk Premium) in Emerging Markets
4. Beispiel
Hypothetisches Szenario - Alle Zahlen hier sind frei erfunden:Betrachten wir ein hypothetisches Unternehmen in den USA, "TechCorp Inc.". Die Marktprämie in den USA nehmen wir als 5% an, während der risikolose Zins (gegeben durch den aktuellen Zins langristiger US Staatsanleihen / Treasury Bonds) bei 4% liegt. Wir nehmen an, dass das $\beta$ bei $1,2$ liegt. Damit berechnen sich die Eigenkapitalkosten der TechCorp Inc. als $$\mathrm{CostOfEquity} = 1,2\times5\% + 4\% = 10\%$$